PLAN(ET)A_Magazin
01 | 2023
21/26

So steht es nach dem Regen um das Grundwasser

© pixabay

Zurzeit regnet es viel. Da liegt der Verdacht nahe, dass das positive Auswirkungen auf die Grundwasserstände hat. Doch ganz so einfach ist es nicht, erklären Experten auf Nachfrage.

Die Grundwasserstände in Niedersachsen haben sich einem Bericht zufolge im vergangenen Jahr im Westen etwas gebessert – im Osten und Süden dagegen melden viele Messstellen weiter sinkende Wasserstände. „In den westlichen und nordwestlichen Landesteilen sind die Grundwasserstände auf etwa durchschnittliche Niveaus angestiegen, während in den östlichen und südlichen Teilen Niedersachsens weiterhin zum Teil ausgesprochen angespannte Verhältnisse herrschen“, sagte die Direktorin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden.


Zur Einordnung...

Dieser Text stammt aus September 2022 und alle Zeitangaben sind entsprechend einzuordnen. Da wir aber der Meinung sind, dass er an Aktualität nicht verloren hat und dass die Kernaussage weiter Bestand hat, haben wir ihn in diesem Best of des "Plan(et) A Newsletters mit aufgenommen.


Beschaffenheit der Böden entscheidend

Die aktuellen Regentage spielen dabei allerdings keine Rolle, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Die Begründung: Je nach Beschaffenheit der Böden kann es Monate, teilweise sogar Jahre dauern, bis die Effekte von Regenphasen im Grundwasserspiegel sichtbar werden. Der Grundwasserkörper sei nämlich „sehr träge“. Der Boden habe auch eine Filterfunktion.

Auf Nachfrage teilt der NLWKN mit, dass Starkregen überhaupt nichts bringt. Denn da die Böden noch sehr trocken sind, nehmen diese das Wasser nicht auf. Am besten sei laut NLWKN sogenannter Landregen, also leichter Nieselregen, der über einen längeren Zeitraum anhält.

Erholung in Aurich, andere Situation im Landkreis Oldenburg

Im Kreis Aurich in Ostfriesland hat es laut OOWV 2021 „eine deutliche Erholung der Grundwasserstände“ gegeben. Aktuell liegen die Stände dort im Bereich der letzten Jahre vor 2018. Ab 2018 hatte es ein starkes Absinken gegeben. Anders sieht es im Landkreis Oldenburg aus. Hier hätten die Niederschläge in 2020 und 2021 größtenteils nicht zu einer Erholung der Grundwasserstände geführt, heißt es. „Sie verharren weiter auf einem unterdurchschnittlichen Niveau.“ Konkrete Zahlen für dieses Jahr liegen allerdings noch nicht vor. Grundsätzlich zeigten Beobachtungen bei den Messstellen in Niederungsbereichen „typischerweise keine ausgeprägten Trends, sondern nur den normalen saisonalen Verlauf mit hohen Wasserständen im Frühjahr und niedrigeren im Herbst“.

Als Ursachen für die regional unterschiedlichen Wasserstände führt der Sonderbericht zur Entwicklung der Grundwasserstände in Niedersachsen unter anderem neben einem Niederschlagsgefälle von Nordwest nach Südost und trockeneren Witterungsverhältnissen auch menschliche Einflüsse an – etwa den Ausbau der künstlichen Beregnung von landwirtschaftlichen Feldern im Osten Niedersachsens. Wie genau die gestiegene Grundwasserentnahme insgesamt die Entwicklung der Grundwasserstände im Land beeinflusse, lasse sich laut der Behörde aber nicht abschließend beurteilen.

von Sabrina Wendt


Zur Info ...

Tiefststände im Osten – Für den Bericht wurden Daten von insgesamt 1475 Messstellen ausgewertet, die der NLWKN zur Überwachung des Grundwassers landesweit unterhält. Der Auswertung zufolge erreichten davon 266 Messstellen 2021 ihren tiefsten Grundwasserstand seit 1987. Sehr niedrige Wasserstände finden sich demnach vor allem in der Stader und der Lüneburger Geest. Auch schon in den Vorjahren, besonders 2019, wurden vielerorts Tiefststände gemessen. Laut dem NLWKN bewegen sich die Grundwasserstände bereits seit 2009 auf einem durchschnittlichen bis niedrigen Niveau.


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