Muss es immer neu sein?
Im Secondhand-Shop zu stöbern, schont den Geldbeutel – und die Umwelt. Wir stellen zwei unterschiedliche Konzepte vor.
Die Deutschen legen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit. Rund zwei Drittel der Kundinnen und Kunden haben schon auf Klamotten aus zweiter Hand zurückgegriffen, zeigt der Secondhand Fashion Report 2022 des Anbieters Momox Fashion und des Marktforschungsinstituts Kantar. Vor zwei Jahren waren es lediglich knapp über 50 Prozent. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Gesellschaft wachse. Nicht zuletzt, weil sich das Verständnis für eine nachhaltige Lebensweise verändert habe. Das Konzept der Secondhand-Läden: Einen Teil des Erlöses bekommt der bisherige Besitzer, den anderen der Secondhand-Laden. Üblich ist eine etwa hälftige Aufteilung.
Secondhand als „kultige“ Marke
„Eine Zeitlang war Secondhand etwas für Menschen, die arm waren. Für Erwachsene war es peinlich, gebrauchte Kleider zu tragen. Mittlerweile ist Secondhand-Mode kultig und besonders bei jungen Leuten beliebt“, stellt Silke Mosebach fest. Seit 25 Jahren verkauft sie in ihrem Geschäft „Second Hand Anziehbar“ in der Ziegelhofstraße in Oldenburg Kleidung aus zweiter Hand. Seit der Pandemie boomt ihr Geschäft. „Ich denke, dass es diesmal kein Trend ist. Die Menschen leben generell etwas nachhaltiger.“
Nachhaltigkeit spielt auch bei der Auswahl ihrer Ware eine wichtige Rolle – nur Teile, die eine gute Qualität haben, nimmt Mosebach auf Kommission an. So kommt es schon mal vor, dass sie einige Waren mehrfach verkauft: „Manchmal verkaufe ich Pullis dreimal. Die Leute bringen ihn wieder zu mir, wenn sie ihn nicht mehr tragen möchten. Ich verkaufe ihn dann weiter.“ Ware, die nicht verkauft wird, spende sie ans Mutter-Kind-Heim oder die Diakonie in Oldenburg.
Nicht automatisch nachhaltig
Dass gebrauchte Kleidung immer beliebter wird, würden sich auch die großen, modernen Marken zunutze machen. Nicht jeder Secondhand-Shop allerdings sei den Namen wert: In einigen Läden werde auch zum Teil importierte und minderwertige Ware aus dem Ausland verkauft, so die Erfahrung der Shop-Inhaberin. Genau hinzusehen, ist also ratsam, denn weite Transportwege und eine geringe Tragedauer der Teile seien nicht mit dem Grundgedanken des Secondhand vereinbar. „Auch in einem Secondhand-Shop sollten die Kunden daher auf die Qualität achten und nachfragen, wo die Kleidung herkommt“, rät Mosebach.
Gebrauchte Ware spenden
Die Secondhandkette „Oxfam“ in der Kurwickstraße in Oldenburg legt ebenfalls Wert auf regionale gebrauchte Ware. Das Konzept: Menschen spenden ausgediente Waren und die ehrenamtlich geführten Filialen verkaufen diese weiter. Der Erlös kommt „Oxfams Arbeit gegen Armut und Ungleichheit“ zugute. Mit 55 Shops in 34 Städten ist „Oxfam“ eine der größten Ketten für Secondhand-Ware in Deutschland. „Vor der Pandemie sind durch die Oxfam Shops 2,45 Millionen Euro für den guten Zweck zusammengekommen“, so die Oldenburger Shop-Referentin Margit Löffler. Überwiegend durch den Verkauf von Kleidung – in den Geschäften werden allerdings auch Elektrogeräte und Bücher aus zweiter Hand angeboten. „Wir haben hohe Qualitätsstandards für die Waren, die wir annehmen: Sie sollten sauber und intakt sein, bei Kleidung nehmen wir beispielsweise nur gewaschene Textilien, gern auch gebügelt, an“, erklärt Löffler. Dadurch werde sichergestellt, dass die Ware auch tatsächlich verkauft werden kann.
von Larissa Siebolds